Archivale des Monats Mai

Sommertagszug-Komitee von 1922 vor dem Schloss


Der im Mai stattfindende Sommertagszug und das Schloss Bruchsal sind in vielfältiger Weise miteinander verbunden. Nicht nur, dass sich die Komiteemitglieder hier regelmäßig feierlich in Frack und Zylinder ablichten ließen, auch der Zug endete traditionell mit der Prozession durch das Tor und der Aufstellung auf dem Ehrenhof. In die Schlossjubiläumsfeierlichkeiten von 1922 war der Sommertagszug als offizieller Programmpunkt besonders integriert. Ein Beobachter beschrieb Personen in historischen Kostümen, die Rokokodamen, den Schlossarchitekten Balthasar Neumann samt Handwerker und sogar den Kellermeister des Bischofs darstellten. Hinter den Kostümgruppen kamen dann die traditionellen Sommertagsgruppen: die Jungen als Trommler und Pfeifer, Vertreter der Handwerker und Vereine und die Mädchen mit den Sommertagstecken.


April

Deckblatt der Hirschmappe mit Plan eines Prunksaals


Mit Markgräfin Amalie von Baden verstarb am 21. Juli 1832 die letzte Bewohnerin des Bruchsaler Schlosses, bald 30 Jahre hatte es ihr als Witwensitz gedient. In den folgenden Jahrzehnten führte die Anlage mit ihren über 50 Einzelgebäuden ein tristes Dasein. Ein Teil der Gebäude und Räumlichkeiten wurde zwar von diversen Behörden genutzt, der große Rest stand jedoch leer und gammelte mehr oder weniger vor sich hin. Dem Schlossgarten ging es nicht besser, zeitweise wurde er sogar zum Gemüseacker umfunktioniert. Bevor die Bausubstanz schließlich ganz zerfiel, führte man zwischen 1900 und 1909 eine umfassende Renovation durch. Federführend hierbei waren die Bauinspektoren Emil Lang und Dr. Fritz Hirsch. Letzterer veröffentlichte nach Abschluss der Arbeiten ein großes Tafelwerk nebst Textband, beides zusammen wurde in Fachkreisen unter dem Begriff „Hirsch-Mappe“ bekannt. Auf insgesamt 80 großformatigen Bildtafeln werden hier die Schönheiten und architektonischen Besonderheiten des neu renovierten Schlosses dargestellt.

Anlässlich des diesjährigen Schlossjubiläums zeigt das Stadtarchiv Bruchsal eine Auswahl dieser seltenen Tafeln. Zusammen mit erläuternden Texten und weiteren ausgewählten Archivalien zum Thema ist die Ausstellung vom 29. April bis zum 25. Juni 2022 in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek zu sehen.

März

zerstörtes Hauptgebäude des Bruchsaler Schlosses

Erinnern Sie sich an das Archivale des Monats Februar? Ein Programmblatt gab die Wiedereröffnung des Schlosses 1975 bekannt. Auf unserem Archivale des Monats März wird deutlich, wie groß die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs am Schloss waren. Das Foto ist ein besonderes Zeitdokument: während es ganze Aufnahmeserien gibt, die die zerstörte Stadt einige Monate nach dem Angriff vom 1. März zeigen, ist diese Aufnahme nur wenige Tage nach der Bombardierung entstanden. Auch dass es sich um eine Farbaufnahme handelt, ist für die Zeit noch selten. Wir sehen, dass das Gebäude nur noch als Gerippe steht, auch das Torwachhaus zum Ehrenhof hat starke Brandspuren, lediglich das Damianstor blieb weitestgehend unversehrt.

Februar

Programm der Schloßeröffnung 1975

2022 jährt sich die Grundsteinlegung des Bruchsaler Schlosses zum 300. Mal. Doch dass das Schloss nicht nur ferne Erinnerung ist, sondern als Baudenkmal besichtigt werden kann, haben nur mehrere Aufbau- und Restaurierungsläufe ermöglicht. Einmal in den Jahren nach 1900 und noch einmal nach den schweren Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. 1975 war es dann soweit: Das Schloss wurde der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Damit die Wiederöffnung nicht nur Sache einiger Ehrengäste sein würde, wurde im Vorfeld ein Arbeitskreis gegründet, der mit Vertretern verschiedener Vereine, Gewerbetreibenden, der Presse und Kulturschaffenden besetzt war. Das ausgearbeitete Programm der „Bruchsaler Festwoche“ ist unser Archivale des Monats Februar. 

Januar

Postkarte mit Schlossmotiv und kleeblattbekränztem blauem Rahmen

Wir beginnen das Jahr zum 300. Schlossjubiläum mit einer Karte von 1901. Vierblättrige Kleeblätter verraten uns, dass es sich um eine Neujahrskarte handelt. Tatsächlich wurde sie auf den 20. Januar 1901 datiert und in Karlsruhe abgestempelt. Das Motiv zeigt das Schlossareal als kolorierte Zeichnung. Da der Text mit Bleistift geschrieben wurde, ist er leider nur schwer zu entziffern; doch wurde den Empfängern in Karlsruhe wohl ein baldiger persönlicher Besuch angekündigt.

Dezember

Aktendeckel mit Badischer Fadenheftung und Schriftstück in Kurrentschrift

Weiße Weihnacht ist für viele ein Traum – doch Schneemassen bergen mitunter auch Probleme, zum Beispiel für den Verkehr. Damit die Pferdefuhrwerke trotzdem nicht auf der Strecke blieben, wies das Großherzogliche Oberamt Bruchsal in den 1830er Jahren alle Gemeinden an, einen sogenannten „Bahnschlitten“ zum Einsatz zu bringen oder, wo noch nicht vorhanden, innerhalb der nächsten 14 Tage anzuschaffen. Während andere Gemeinden noch zögerten, eine solche schiffsbugähnliche Holzkonstruktion, die von mehreren Pferden gezogen wurde, anzuschaffen, meldete Heidelsheim bereits 1835 „schon lange Jahre“ einen zu besitzen und im Einsatz zu haben. Wenn für notwendig befunden, schrieb das Amt die Gemeinden auch einzeln an, um bestimmte ungangbare Wege anzumahnen, wie 1847 die Strecke vom Scheckenbronner Hof bis Obergrombach. Auch Rundbriefe wurden genutzt, um auf allgemeine Gefahren aufmerksam zu machen, die zum Beispiel durch Schneeverwehungen entstehen können. Alle diese Schriftstücke heftete die Heidelsheimer Registratur in der Akte „Das Reinigen der Straßen beim Schneefall“ ab, heute unter der Signatur A43/10 im Stadtarchiv verwahrt.  
Und wie wurde damals abgeheftet? Natürlich mit der „Badischen Fadenheftung“, die dieses Jahr 220. Geburtstag feiert. Dazu wurden den Blättern oben links zwei kleine Löcher im Abstand von ca. 5 cm eingestanzt, durch die ein dünner Faden gezogen wurde, der am hinteren Aktendeckel in einer Schleife zusammengebunden wurde. Wollte man allerdings einzelne Seiten noch einmal entnehmen, musste das ganze Gebilde aufgelassen und später mühsam wieder eingefädelt werden. Im Dienst war die „Badische Fadenheftung“ in den dörflichen Registraturen noch weit bis in die 1960er Jahre, wurde aber in den 70er- und 80er-Jahren mehr und mehr durch Büro-Stehordner oder Hefter in Hängeregistraturen abgelöst.


November

Einladung zum Filmabend in Untergrombach

November: es wird kälter, das Leben verlagert sich zusehends wieder nach drinnen. Wie gestaltete man den dunklen Abend bevor es Streaming-Dienste gab, ja noch bevor der Fernseher ein Gerät wurde, das sich breite Bevölkerungsschichten leisten konnten? Eine Möglichkeit waren die Filmabende der Gemeinde. Sowohl in Obergrombach, als auch in Heidelsheim und Untergrombach sind Akten zu diesen Veranstaltungsreihen der 1950er und 60er Jahre überliefert. Unser Archivale des Monats stammt aus Untergrombach und lädt zum damaligen Filmabend am 22. November 1963 im Schulhaus ein. Was wurde gezeigt? Etwa der erste Teil von Winnetou oder James Bond: 007 jagt Dr. No? Nein, Blockbuster standen nicht auf den Programmen des Filmdiensts für Jugend und Volksbildung Bruchsal e.V. – es waren meist Dokumentarfilme, die gezeigt wurden. Und so wurde „Wo die Berge segeln“ auch besonders den erwachsenen Einwohnern ans Herz gelegt. 50 Pfennige kostete der Eintritt. Ob aber ein Film über das kalte Nordalaska und Grönland wirklich die richtige Entscheidung für den auch hier kalten November war? Immerhin gab es ein Schmankerl: laut der Beschreibung wird den Zuschauern das Thema „in wunderbaren Farben“ nahegebracht – immerhin vier Jahre bevor das heimische Fernsehprogramm dazu in der Lage war.

Oktober

Von Ende September bis Anfang Oktober dauerte das Herbstmanöver des Großherzoglichen Militärs von 1828 in der Region. Eine dünne Akte Verwaltungsschriftgut ist in Heidelsheim daraus hervorgegangen und im Stadtarchiv überliefert. Lassen Sie uns doch einmal hineinschauen:
Im Vorfeld des Herbstmanövers wurden die Modalitäten der Verpflegung der Militärpersonen bekannt gegeben: Offiziere hatten sich und ihre Bediensteten selbst zu versorgen, für die Personen der Ränge darunter und alle Pferde sollten die Ortschaften auf der Marschroute die Verpflegung übernehmen und danach in Rechnung stellen. Während für die Männer nur allgemein von „guter Hausmannskost“ die Rede ist, wurde für die Pferde genaue Anweisungen zu den einzelnen Rationen gegeben. Danach wurde noch dazu aufgefordert, Straßen und Brücken zu visitieren und sie in „guten fahrbaren Stand herzustellen“. Einige Tage später regte ein Schreiben des Großherzoglichen Oberamtes Bruchsal an, einen „Lagermarkt“ mit Kartoffeln, Butter, Eier u.a. einzurichten, „indem man nicht zweifelt, daß die dasigen Einwohner demnächst ihren Vortheil selbst wahrnehmen und die Gelegenheit benutzen werden, ihre entbehrliche Viktualien abzusetzen.“ Später kam dann der Kassensturz: Holz, das dem Militär bereitgestellt, aber nicht verbraucht wurde, wurde versteigert und eine Liste über die Pferde erstellt, die während des Manövers für Militärzwecke eingesetzt worden waren, um diese sogenannten „Spanndienste“ ebenfalls in Rechnung zu stellen. 

September

Deckblatt des Oktavhefts "Wie's de Rosl em Diene gange isch"


Ein älteres Marktfräulein, das in einer Ecke auf dem Marktplatz ihre kleinen Gedichte vorträgt? Mitnichten! Nicht nur als Marktfrau für die selbst angebaute Gemüseernte, sondern auch als Publizistin und Rednerin war Babette Ihle ihren Zeitgenossen bekannt. Immer wieder wurden ihre Gedichte im „Bruchsaler Boten“ abgedruckt und bei privaten Hochzeitsfeiern stand ihr Namen ebenso auf der Rednerliste wie bei den Sitzungen der Großen Karnevalsgesellschaft, wo sie „in die Bütt“ stieg und sich so den ein oder anderen Karnevalsorden verdiente. Kleinunternehmerin, Publizistin, komödiantische Rednerin – Babette Ihle dehnte den begrenzten Rahmen, den ihr ihre Herkunft als 1871 geborene Frau aus kinderreicher Arbeiterfamilie mit Nebenerwerbslandwirtschaft setzte, soweit es ging aus und mischte das notwendige Übel des Geldverdienens mit dem, was ihr schon als Kind Freude machte – dem Spiel mit der Sprache. 
Unser Archivale des Monats ist das kleine Oktavheft, zwei ihrer längeren Gedichte, „Frieher und heit“ und „Wie’s de Rosl em Diene gange isch“, 1929 im Selbstverlag veröffentlicht und zusammen mit ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen für 50 Pfennige auf dem Wochenmarkt vertrieben.

Am 18. September jährt sich ihr Geburtstag zum 150. Mal. Zu diesem Anlass möchte das Stadtarchiv an sie und ihr Werk erinnern. Im Obergeschoss der Stadtbibliothek werden im kleinen Rahmen Fotos aus ihrem Leben und Ausschnitte aus ihren Werken präsentiert. Ein Blick in die vielgestaltigen Erinnerungen an sie in Stadtbild und kulturellem Leben Bruchsals rundet die Reminiszenz ab.

August

Wandergruppe des Odenwaldclubs 1929


Sommerzeit… Ausflugszeit! Wer konnte, nahm eine Kamera mit. So entstanden viele Gruppenfotos von Ausflugsgesellschaften verschiedener Vereine oder Belegschaften, die auf dem ein oder anderen Weg Aufnahme in die Bestände des Stadtarchivs gefunden haben. Während im Kaiserreich noch ausladende Damenhüte und korrekte Dreiteiler vorherrschten, ist in der Weimarer Republik der legere Reformkleidungsstil im Mainstream angekommen. Odenwaldclub und Pfadfinder waren mit ihren familiären und zwanglosen Vereinsausrichtungen da ganz im Zeitgeist. Leider ist nur einer der Abgebildeten auch mit Namen überliefert: Unter dem Bild des Odenwaldclubs auf einer Wanderung nach Schriesheim von 1929 ist vermerkt „Robert Bohn beim Kopfstand“.

Mehr Ausflugsfotos aus dem Stadtarchiv können Sie in unseren „Urlaubsgrüßen von Schloss Bruchsal“ entdecken.

Juli

Vertragsunterschrift im Rathaus

Die erste bekannte schriftliche Erwähnung der Bruchsaler Stadtteile Unter- und Obergrombach findet sich in einer Urkunde, die am 10. Juli des Jahres 789 ausgestellt wurde und heute als Teil des Lorscher Kodex im Staatsarchiv Würzburg aufbewahrt wird. Durch sie teilt eine Frau namens Rutdrud mit, dass sie zum „Heile meiner Seele dem heiligen Märtyrer Nazarius eine Spende zuwenden“ will. Empfänger dieser Gabe soll das Kloster Lorsch sein, wo sich die letzte Ruhestätte des Märtyrers befindet und das Geschenk selbst ist „alles, was ich im oben genannten Dorf Grombach, wie allgemein bekannt, besitze“. Aus diesem damals nur Grombach genannten Dorf gingen später im 13. Jahrhundert die dann selbstständigen Siedlungen Obergrombach und Untergrombach hervor. Die beiden heutigen Stadtteile Bruchsals haben daher das gleiche Geburtsdatum, eben den oben erwähnten 10. Juli 789. Nahezu 1200 Jahre später ist es wieder ein Tag im Monat Juli, der für beide Gemeinden von besonderer Bedeutung sein wird: Am 1. Juli 1971 wurden beide im Zuge der Kommunalreform zu Bruchsal eingemeindet. Und jetzt, 50 Jahre später, ist es wieder der Sommermonat Juli, in dessen Verlauf die Archivfindbücher für beide Gemeindearchive auf der Seite des Stadtarchivs online gestellt werden. Heute sollen schon einmal die Archivalien des Monats, jeweils ein Foto von den Vertragsunterschriften (links: der stellvertretende Bürgermeister Obergrombachs, Emil Speck und der Oberbürgermeister von Bruchsal, Dr. Bieringer; rechts: Rudi Doll, Bürgermeister von Untergrombach und Dr. Bieringer) an die Eingemeindungen der beiden Stadtteile erinnern.

Juni

Seite aus einem Schreibheft mit Zahlenkolonnen

Statistiken werden für viele Bereiche des täglichen Lebens erstellt. Das Sammeln und Auswerten von Daten – natürlich immer unter Beachtung der jeweiligen Datenschutzgesetze – hilft bei der Verbesserung von Arbeitsabläufen und Serviceleistungen. Daher erfasst beispielsweise eine „Bibliotheksstatistik“ die Anzahl von Leserinnen und Lesern in einem bestimmten Zeitraum, aber auch die Nachfrage nach bestimmten Themengruppen und Medientypen. Beides ist wichtig für die Festlegung der Öffnungszeiten und die Auswahl beim Bucheinkauf.
Heutzutage wird diese Aufgabe automatisch von Computerprogrammen übernommen, aber vor wenigen Jahrzehnten war das noch echte Handarbeit, wie uns das Archivale des Monats Juni zeigt. Es handelt sich hierbei um das „historische“ Statistikheft der Stadtbibliothek Bruchsal. Dieser Tage wurde es von unserer Kollegin Sabine Freiwald an das Archiv übergeben. Anlass hierfür war ihre anstehende Verabschiedung in den Ruhestand nach nahezu 44 Jahren in städtischen Diensten. Unsere Aufnahme zeigt die Monatsstatistik vom Januar 1978 aus ihrer Anfangszeit als Bibliotheksleiterin. Mit Strichlisten wurden die Zahlen erfasst und handschriftlich in ein Heft übertragen. Am Monatsende wurde alles zusammengezählt zur Monatsstatistik, deren Zusammenfassung ergab dann schließlich die mit Spannung erwarteten Zahlen der Jahresstatistik. Heute geht alles viel einfacher: Ein Knopfdruck am 31. Dezember genügt und alles wird in Sekundenschnelle automatisch ausgedruckt.

Kontakt

Herr Thomas Moos
Otto-Oppenheimer-Platz 5
76646 Bruchsal
Telefon 07251/79-708
Fax 07251/79-11708
Gebäude Rathaus am Otto-Oppenheimer-Platz 5
Dr. Tamara Frey
Telefon (07251) 79-19 38
Fax (07251) 79-111 938

Sitzungstermine des Gemeinderats