Schwefel-Hexafluorid, kurz SF₆, ist eine chemische anorganische Verbindung, die farb- und geruchlos, weder giftig noch brennbar ist. Das Gas ist äußerst reaktionsträge. Entweicht es, verweilt es bis zu 3.200 Jahre in der Atmosphäre. Zudem ist SF₆ ca. 23.500-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Mit anderen Stoffen reagiert es kaum und kann (durch die Verdrängung anderer Stoffe, wie Luft) chemische Reaktionen verhindern. Diese isolierende Eigenschaft macht es wertvoll für die Industrie.
SF₆ isoliert die stromführenden Teile in den Schaltanlagen, in denen die elektrische Energie verteilt wird, die vom Generator erzeugt wurde. Sie sind vor allem dort praktisch, wo wenig Platz ist, wie im Turm einer Windenergieanlage. Da SF₆ ein hochschädliches Klimagas ist, muss es in den Schaltanlagen in einem geschlossenen System verbleiben. Das Entweichen des Gases wird beim Befüllen, Nutzen und Recyclen verhindert. Verbautes und chemisch-recyceltes SF₆ wird vom Hersteller genau dokumentiert und gemeldet.
Der Beitrag von SF₆-Gas am menschengemachten Klimawandel ist mit geschätzten 0,2 Prozent sehr gering. Eingesetzt wird es beispielsweise zur Herstellung von Halbleitern oder in Teilchenbeschleunigern. Es kommt in Elektronenmikroskopen vor und wird bei medizinischen Untersuchungen gebraucht, ebenso zum Schalten und Isolieren in elektrischen Betriebsmitteln. SF₆-Gas für elektrische Betriebsmittel macht ca. 15 Prozent aus, wovon Windenergieanlagen wiederum nur ein kleiner Teil sind.
Die Hersteller der Schaltanlagen sind auf der Suche nach Alternativen zum Einsatz von SF₆. In den vergangenen Jahren umgesetzte Pilotprojekte sind vielversprechend. Einige Hersteller haben die Produktion von Vakuumschaltanlagen bereits aufgenommen, die jedoch noch nicht für alle Spannungsebenen verfügbar sind. Beispielsweise möchte Siemens Gamesa, Hersteller von Windenergieanlagen, bis 2030 komplett auf SF₆ verzichten.