Montag, 09.11.2026 , 19:00 Uhr
Die Enteignung der jüdischen Gewerbetreibenden in Bruchsal: Liquidierung und „Arisierung“ in Baden während der NS-Zeit Vortrag von Michael Becker

Kurzbeschreibung
Veranstalter: Kommission für Stadtgeschichte und Stadt Bruchsal
Eintritt frei, öffentliche Veranstaltung. Anmeldungen erwünscht an E-Mail: kultur@bruchsal.de oder telefonisch an 07251 / 79-531 oder 79-183.
Beschreibung
Zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft liefen in Bruchsal weit über hundert Geschäfte und Betriebe, hauptsächlich im Handel, unter der Leitung jüdischer Besitzer. Der allgegenwärtige Boykottdruck in der Öffentlichkeit und in Medien sowie Maßnahmen von Wirtschaftsverbänden wie dem Reichsnährstand führten zu einem stetigen Rückgang dieser jüdischen Betriebe in der Stadt. Bis Dezember 1938 war ihre Zahl durch Liquidierung und „Arisierung“ bereits um über fünfzig Einträge zurückgegangen.
Vor allem die ab 1938 zentral angeordnete Beschränkung der Rohstoffzuteilung und der Druck auf Geschäftspartner durch Industrieorganisationen machten ein weiteres wirtschaftliches Fortbestehen der Firmen quasi unmöglich. Die offene Feindschaft des Staates gegenüber seinen jüdischen Einwohnern befeuerte die Auswanderungsnot. Zum Jahreswechsel 1938/39 zwang schließlich die zentrale Anordnung aus Berlin die verbliebenen Unternehmer zum Verkauf oder zur Geschäftsaufgabe.
In seinem Vortrag beleuchtet der Historiker Michael Becker am 88. Jahrestag der Pogromnacht von 1938 diese Ereignisse anhand von Beispielen aus Bruchsal und zeigt auf, wie der jüdische Teil gerade der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung innerhalb von wenigen Jahren um ihren Besitz, um ihre Handlungsfreiheit und letztlich um ihr Heimatrecht gebracht wurde.
Foto: Interniertenkarte des jüdischen Geschäftsmannes Ignaz Ramsfelder, seit 1931 Mitinhaber der Bruchsaler Zigarrenfabrik Salomon Reiss. Nach der „Arisierung“ der Firma 1936 zog er 1938 mit der Familie zu den Schwiegereltern .
