Die Sommersonne lockt nach draußen… wie wäre es mit einem Spaziergang im Stadtgarten beim Belvedere? Dieses malerische Plätzchen wird dieses Jahr 125 Jahre alt. Mit unserem Archivale des Monats Juni erinnern wir an die Anfänge der Anlage. Einen Springbrunnen und angelegte Beete (hier in romantischer Herzform) gab es schon und breite Wege zum Flanieren und Plauschen; Sitzbänke unter der großen Weide boten einen Platz im Schatten… die wohlhabende Bevölkerung aus den Villen ringsum hatte es nicht weit in diese grüne Oase der Stadt. Davor erstreckten sich auf diesem Areal übrigens noch die Weinberge, die die Hänge zwischen Andreasstaffel und Paulusheim zierten. Das noch unsanierte Belvedere ragte aus den Weinreben hervor. 1902 wurde es nach Umbau in den Stadtgarten integriert.
Archivale des Monats Mai
An den Bruchsaler Lehranstalten gab es schon immer Schülerinnen und Schüler, die später in ihrem weiteren Leben als Künstlerin, Politiker oder Wissenschaftler zu Ruhm und Ehre gekommen sind. Zu ihnen gehört zweifelsohne Johann Adam Hammer, der 1818 im nicht weit entfernten Mingolsheim geboren wurde. Von 1830 bis 1837 besuchte er das Großherzogliche Gymnasium in Bruchsal, also das heutige Schönborn-Gymnasium. Aus aktuellem Anlass wollen wir mit unserem Archivale des Monats Mai an ihn erinnern. Es handelt sich um ein kleines Heftchen aus dem Jahre 1830. In ihm sind unter anderem der Lehrplan und die Schüler aus jener Zeit aufgelistet, darunter auch „Hammer, Joh. Adam, von Mingolsheim“. Nach der Schulzeit studierte er in Heidelberg Medizin und praktizierte dann ab 1842 für mehrere Jahre in Mannheim. Als Teilnehmer der Badischen Revolution musste er nach deren Scheitern nach Amerika fliehen, wo er dann auch für rund drei Jahrzehnte lebte. Ende der 1870er Jahre zog es ihn wieder in die alte Heimat. Am 4. Mai 1876 gelang es ihm als weltweit erstem Arzt bei einem noch lebenden Patienten einen Herzinfarkt zu diagnostizieren. Damit hatte er sich einen Platz in der Medizingeschichte gesichert, aber wenig später verstarb er selbst an akutem Herzversagen. In seiner Todesanzeige hätte stehen können: „Am eigenen Infarkt ist er zwar gestorben, aber der Infarkt eines anderen hat ihn dennoch unsterblich gemacht.“
April
Archivale des Monats April
Vor wenigen Wochen feierte die 1976 gegründete „Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS)“ ihr 50jähriges Bestehen. Zu den damaligen Vorkämpfern und Protagonisten gehörte laut Bruchsaler Rundschau vom 16. März 2026 „Schnakenfritz“ Fritz Dürrschnabel, welcher von 1973-1989 als Bürgermeister der Stadt Philippsburg amtierte. Auch Bruchsal hatte – allerdings schon einige Jahrzehnte zuvor - mit Alfred Wiedemann einen Bürger, der sich ebenso um die Schnaken-Bekämpfung verdient gemacht hatte und daher respektvoll als „Schnooge-Professer“ tituliert wurde. Grund hierfür war, dass er als Gymnasialprofessor am Justus-Knecht-Gymnasium Mathematik und Biologie unterrichtete. Und als Mann vom Fach erforschte er nebenher die lokalen Schnakenpopulationen und konnte durch verschiedene Maßnahmen dafür sorgen, dass Bruchsal in den 1920er Jahren nahezu schnakenfrei war. Aber auch als Heimatforscher war er aktiv. So verfasste er das 1937 in Heidelberg erschienene Buch „Die Flurnamen von Bruchsal“, das wir diesen Monat anlässlich der 135. Wiederkehr seines Geburtstages am 1. April als Archivale des Monats vorstellen wollen. Mit seinen beigefügten Tafeln ist es heute noch ein wichtiges Nachschlagewerk bei historischen Fragestellungen im Bereich der Liegenschaften und Gewanne. Prof. Wiedemann, der viele Jahre auch Mitglied des Bruchsaler Stadtrates war, verstarb 1965 im Alter von 74 Jahren an seinem Altersruhesitz Wertheim am Main.
März
Archivale des Monats März
Es ist wohl nie ein gutes Zeichen, wenn eine Gesellschaft Bedarf an Vordrucke für „Lebenszeichen“-Postkarten hat. Die rot gedruckten Karten wurden während des Zweiten Weltkriegs verwendet und waren portofreie Eilnachrichten. Nicht mehr als 10 Worte sollte der Text auf einer „Lebenszeichen“-Postkarte betragen. „Leben alle. Wohnen bei Schlayers. Möbel gerettet“ – Karl Hamminger, der diese Karte am 4. März 1945 nach Flensburg (vermutlich an seinen älteren Sohn) schickte, blieb mit sieben knappen Worten sogar unter der Vorgabe. Am 1. März 1945 wurden 80% von Bruchsal zerstört, ein Tausend Menschen starben. Wer sich retten konnte, sein Haus nach dem rund 40 Minuten dauernden Fliegerangriff aber unbewohnbar vorfand, kam oft bei Verwandten oder Bekannten unter, so wohl auch die Hammingers. Vier Jahre zuvor war ihr 21-jähriger Sohn Karl-Heinz im Krieg schwer verwundet worden und gestorben. Wer, wann und warum das Hakenkreuz-Symbol auf dem Stempel unkenntlich gemacht hat, wissen wir nicht. Dass es die Nationalsozialisten waren, die damals Leid über Europa und die Welt brachten, soll dagegen nie unkenntlich sein.
Februar
Archivale des Monats Februar
Im Bruchsaler Dichterviertel ist eine Straße nach ihm benannt, ein Hotel und ein Preis für herausragende schulische Leistungen tragen seinen Namen und zwei Gedenktafeln erinnern im Stadtbild an ihn und sein Werk. Die Rede ist von Joseph Viktor von Scheffel, dessen Geburtstag sich am 16. Februar 2026 zum 200. Male jährt. Nach Bruchsal kam der promovierte Jurist im Alter von 25 Jahren als er für ein halbes Jahr beim hiesigen Hofgericht tätig war. Im Anschluss daran schied er aber aus dem Staatsdienst aus, zumal er das Studium der Rechte nur seinem Vater zuliebe absolviert hatte. Fortan widmete er sich der Literatur und den schönen Künsten. Zahlreiche Gedichte, Reisebeschreibungen und Studentenlieder stammen aus seiner Feder, am bekanntesten jedoch wurde sein Versepos „Der Trompeter von Säckingen“ und sein Roman „Ekkehard“. Eine Ausgabe des zuletzt Genannten haben wir als Archivale für den Monat Februar ausgewählt. Das rotbraun gebundene Buch mit der goldenen Schrift von der Sparmer‘schen Buchdruckerei in Leipzig hat ein fast quadratisches Format. Das weiße Bändchen, das als Lesezeichen dienen kann, ist bereits etwas mitgenommen. Immerhin ist das Buch auch schon 101 Jahre alt. 1925 wurde es der Schülerin Alice Mayer, Klasse I der Höheren Mädchenschule Bruchsal als Preis für „tadelloses Betragen, steten Fleiß und gute Leistungen“ durch ihren Klassenlehrer und den Direktor überreicht.
Januar
Archivale des Monats Januar
2026 kann Bruchsal seinen 1050. Geburtstag feiern, denn eine Urkunde vom 18. Januar 976 ist das älteste bekannte Schriftstück auf dem erstmals der Name Bruchsal in Erscheinung tritt. In diesem Zusammenhang steht auch das erste Archivale im neuen Jahr. Es handelt sich um eine Eintrittskarte für den Festakt, welcher im Rahmen der 1000-Jahr-Feierlichkeiten vor fünfzig Jahren stattgefunden hat. Manche werden sich vielleicht noch an diese Veranstaltung erinnern. Festredner war damals der frühere Mannheimer Oberbürgermeister Dr. Dr. Hans Reschke und auch Landesinnenminister Karl Schiess war für eine Ansprache aus Stuttgart angereist. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Bruchsaler Sinfonieorchester, damals noch bekannt unter dem Namen Musikverein 1837. Inhaltlich hat die Urkunde übrigens überhaupt nichts mit Bruchsal zu tun. Sie wurde hier nur unterzeichnet, da Kaiser Otto II. bei seinen Reisen durch das Reich an diesem Tag zufällig hier Station machte. Und so erschien der Name Bruchsal eben in der Schlusszeile, da wo in heutigen Verträgen die Rubrik „Ort, Datum, Unterschrift“ zu finden ist.
Dezember
Archivale des Monats Dezember
In diesem Dezember jährt sich zum 55. Mal die Einweihung der Konrad-Adenauer-Schule in der Bruchsaler Südstadt. In Erinnerung ruft uns dieses Ereignis eine Festschrift, die anlässlich des 25jährigen Bestehens der Schule anno 1995 erschienen ist und die wir als aktuelles Archivale des Monats vorstellen wollen. Solche Schriften sind eine wichtige Quelle, da sie Antworten zu vielen Fragestellungen geben. Sie berichten über die Schulgeschichte und die verschiedenen Aktivitäten im Leben der Schule, listen die Namen des Lehrerkollegiums auf und zeigen oftmals auch Klassenfotos der gerade aktuellen Schülerjahrgänge. Und nicht zuletzt sind sie eine große Hilfe, wenn beim nächsten runden Jubiläum erneut ein angemessenes Festbüchlein erscheinen soll. Neben der Festschrift zeigen wir noch eine historische Luftaufnahme aus dem Jahre 1969. Am rechten Bildrand gegenüber der Paul-Gerhardt-Kirche sieht man die noch im Bauzustand befindliche Schule.
November
Archivale des Monats November
Die Schule beginnt später!
Eine Überschrift, die bestimmt viele Schülerinnen und Schüler heutzutage gerne lesen würden. Doch wir schreiben den 17. November 1930. Der „Bruchsaler Bote“ informierte, dass die Schule „von heute an“ erst um 8:15 Uhr beginnt, für Erstklässler sogar erst um 10:15 Uhr! Denn „das Aufstehen geht schon etwas schwerer, wenn die liebe Sonne nicht wacht“. Auch heute gibt es pädagogische Diskussionspositionen, die einen späteren Unterrichtsbeginn bevorzugen, da dieser dem Biorhythmus von Heranwachsenden besser entsprechen würde. Doch es wäre keine Zeitung des frühen 20. Jahrhunderts, wenn nicht auch sozialdisziplinatorische Töne anklingen würden: „Eigentlich sollte es doch wieder Sitte werden, daß beim Läuten der Betglocke die Kinder von der Straße gehen.“ Diese läutete im Winter um 18 Uhr. „Kinder müssen nur ihre bestimmte Zeit der Ruhe haben“, weiß der Autor der Zeitungsnotiz, „Sie stehen schon rechtzeitig auf, wenn sie zur Zeit ins Bett kommen.“ Wie viele Eltern da wohl laut auflachen würden?
Oktober
Archivale des Monats Oktober
Aus Anlass der Verabschiedung unserer langjährigen Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick und der Vereidigung von Sven Weigt als neuen Oberbürgermeister haben wir für das Archivale des Monats Oktober ein kleines Heft aus dem Jahr 1986 herausgesucht. Darin wurden sowohl die Rede von Bernd Doll anlässlich seiner Amtseinführung als auch die Verabschiedungsrede, die sein Vorgänger, Regierungspräsident Dr. Adolf Bieringer gehalten hatte, abgedruckt.
In seiner Ansprache dankte Bieringer der Bürgerschaft, dem Gemeinderat, den Ortsvorstehern und Ortschaftsräten und den städtischen Mitarbeitern für fast 22 Jahre Unterstützung und sprach auch seinem Nachfolger Dank für die sachkundige und einsatzfreudige Zeit als Hauptamtsleiter und Bürgermeister aus. Bernd Doll dankte für das Vertrauen der Wähler, das er mit engagierter und solider Arbeit rechtfertigen wolle, mahnte aber auch den Gemeinderat zum Fokus auf das Wesentliche, denn „manche unserer vielen Sitzungen kann früher beendet sein, so daß wir am Abend früher in den Kreis unserer Familie zurückkehren können.“ Fast die Hälfte seiner Rede widmete er der Würdigung seines Vorgängers in Bezug auf den Städtebau, den Aufbau städtischer Infrastruktur und der Aussöhnung mit den ehemaligen jüdischen Mitbürgern der Stadt. Bieringer wiederum betonte, dass er das Abschiedsgeschenk des Gemeinderates, einen zweiwöchigen Aufenthalt in Israel, nutzen wolle, um in diesen Bemühungen fortzufahren.
Das Heftchen enthält thematisch passend zusätzlich noch die Rede von Bernd Doll zum Empfang ehemaliger jüdischer Mitbürger im Rathaus einige Monate nach seiner Amtseinführung.
September
Archviale des Monats September
Zur 150. Wiederkehr von Otto Oppenheimers Geburtstag
Als Stadtarchivarin stoße ich immer wieder auf die ein oder andere gedruckte Ausgabe der „Brusler Nationalhymne“, des Lieds vom „Brusler Dorscht“, sei es als Postkarte in Vor- und Nachlässen von Alt-Bruchsalern oder als Notenblatt im Sammlungsbestand der Karnevalsgesellschaft. Doch dieses Lied ist tatsächlich nicht das einzige, mit dem Otto Oppenheimer sich um die Jahrhundertwende einen Namen machte. Bereits zur ersten GroKaGe-Sitzung zwei Jahre zuvor war er explizit angefragt worden, Lieder oder andere humoristische Beiträge zu verfassen. Das Protokollbuch der GroKaGe, unser Archivale des Monats September, gibt außerdem Aufschluss darüber, dass er im Jahr 1900 mit einem Lied über den Bahnhofswirt Ferdinand Keller den 1. Preis für das beste Narrenlied erzielte. Doch das Leben von Otto Oppenheimer war nicht nur heiter. Als er 1902 wegen eines Trauerfalls aus dem „Kleinen Rat“ der Gesellschaft auszuscheiden gedachte, wollte man davon nichts wissen, entband ihn aber aus Rücksicht bis auf Weiteres von seinen Pflichten. 1905 erhielt er für seine humorvollen Verse auf der Damensitzung der Gesellschaft wieder regen Beifall.
August
Archivale des Monats August
Die Jahre nach dem Kriegsende 1945 waren geprägt vom Wiederaufbau und vom Wiedererstarken des wirtschaftlichen Lebens. Daher gab es in vielen deutschen Städten Ausstellungen und Messen, die sich mit diesen Themen beschäftigten. Dort wurde gezeigt, was bisher an Aufbauarbeit geleistet und was für die Zukunft noch geplant war. Diese Schaufenster der regionalen Wirtschaft fanden großen Zuspruch bei der Bevölkerung und waren auch wichtig für die Handwerkerschaft und die ortsansässigen Dienstleistungs- und Handelsunternehmen. Die Bruchsaler Ausstellung unter dem Titel „Kraichgau und Bruhrain“ war im heutigen Schönborn-Gymnasium und dem darum liegenden Stadtgarten aufgebaut und wurde vom 11. bis zum 20. August 1950 gezeigt. Die 93-seitige Begleitschrift, unser ausgewähltes Archivale für diesen Monat, gewährt interessante Einblicke in das wirtschaftliche aber auch kulturelle Leben Bruchsals vor 75 Jahren. Auch wieder ein schönes Beispiel, das zeigt, wie eine eigentlich nur für den Moment erschienene Schrift zur historischen Quelle für die nachfolgenden Generationen werden kann.
Juli
Archivale des Monats Juli
1815 brach in Indonesien der Vulkan Tambora aus. Was das mit Bruchsal zu tun hat, fragen Sie sich? Eine ganze Menge! Denn die Folgen des Ausbruchs (durch Vulkanasche in der Atmosphäre) führten in Europa zu einem Phänomen, das als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichtsbücher einging und zu Missernte und Hungersnot führte, die auch zu einer verstärkten Migrationsbewegung nach Amerika führte. Um dem wie in der Akte aus Heidelsheim bezeichneten „allgemeinen Notstand“ zu begegnen, gab man Mittel frei, um Frucht anzukaufen. In unserem Dokument meldet das großherzoglich-badische Stadt- und Landamt in Bruchsal im Juli 1817 nun, dass die Gemeinde Gottsau so viel „Nordische Früchte“ aus Holland ankaufen konnte, dass sogar ein Überschuss existierte, der an andere Gemeinden weiterverkauft werden könne. Dieser, aus Weizen, Roggen, Reis und Erbsen bestehend, sei vor allem für „broddürftige Unterthanen“ gedacht. Ein Jahr später, als sich die Lage entspannt hatte, fragte das Amt in den Gemeinden nach, welche Personen sich in der Notstandszeit besonders für die Hilfsbedürftigen eingesetzt hätten, um diese zu ehren. Mit harscher Kritik an der „bekanten Unthätigkeit“ des Bürgermeisters und der „Misordnung“ des Stadtrats wurde für Heidelsheim der Anwalt Christoph Weilbacher genannt, der sich bei verschiedenen Amtsstellen für die Belange der Heidelsheimer Hilfsbedürftigen eingesetzt sowie private Almosensammlungen und Spenden aus dem Hospitalfonds initiierte hatte. Im Jahr darauf wurde er selbst zum Oberbürgermeister von Heidelsheim gewählt.
Juni
Archivale des Monats Juni
Im Juni 1901 fing in der Station Untergrombach ein mit Stroh beladener Eisenbahnwaggon Feuer. Die Freiwillige Feuerwehr Untergrombach, damals knapp 50 Männer, leisteten Hilfe bei den Löscharbeiten. Zum Dank überwies die Großherzogliche Eisenbahn-Verwaltung einen Monat später 50 Mark. Darüber und über die Aufteilung des Geldes unter den Beteiligten gibt unser Archivale des Monats Aufschluss. Das Dokument stammt aus der Sammelakte zum Feuerlöschwesen, Untergrombach A 49, mit Dokumenten von 1888-1907.