Informationen zur aktuellen Entwicklung des Corona-Virus in Bruchsal

Aufgrund der aktuellen Entwicklung in Sachen Corona-Virus hat die Stadt Bruchsal umfassende Maßnahmen beschlossen. Auf der Informationsseite finden Sie alles Wissenswerte speziell für Bruchsal und seine Stadtteile.

Objekt des Monats Mai

Liebe Leserinnen und Leser,
als Objekt des Monats Mai stellt Ihnen Museumsmitarbeiterin Doris Buhlinger heute ein besonderes Stück aus unserer numismatischen Sammlung vor:

Der Engelsgroschen aus dem Bestand des Städtischen Museums. Foto: Dr. Manfred Schneider, Nußloch - www.monumente-im-bild.de

Der silberne Engelsgroschen

In der hervorragenden Münz- und Medaillensammlung der Stadt befindet sich eine Münze mit einer außergewöhnlichen Geschichte.
Sie stammt aus einem Münzfund, von dem heute 12 Stücke der Stadt Bruchsal gehören. Der Schatz wurde wahrscheinlich 1948 bei Baggerarbeiten in der heutigen Kaiserstraße gefunden. Der Zinnbehälter, in dem er sich befand, wurde dabei zerstört.
Ein Teil der Münzen wurde in die Schweiz verkauft, die übrigen sind 1983 an Pfarrer Anton Heuchemer übergeben worden. Sie sollten nach seinem Tod der Stadt Bruchsal übereignet werden. Im Jahr 2000 gelangt der unvollständige Münzfund in den Besitz der Stadt.
Auffällig ist die Verschiedenheit der Silbermünzen im Erhaltungszustand und ihrer Herkunft aus unterschiedlichen Herrschaftsbereichen wie Augsburg, Kempten, Annaberg, Klagenfurt, Salzburg und Venedig. Sie sind in der Zeit zwischen 1512 und 1561 geprägt, also frühestens nach 1561 vergraben worden.
Besonders interessant ist eine Münze mit Loch. Weder das Dargestellte der Vorderseite, noch der Rückseite ist beeinträchtigt. Offensichtlich ist das Loch bewusst eingebracht worden, vielleicht, um die Silbermünze an einer Kette zu tragen. Näher liegend ist, dass mit Durchstechen der Münze überprüft werden sollte, ob sie eine Scheidemünze ist, also durch einen unedlen Metallkern geringerwertig.
Auf der Vorderseite hält die stehende Halbfigur eines Engels ein Wappenschild mit zwei gekreuzten Schwertern. Ein Perlenband grenzt die Darstellung von der umlaufenden Schrift ab. Die Rückseite ist bestimmt von einem dreiteiligen Wappenschild.
Der Engel weist auf eine sächsische Legende, nach der einem Grubenarbeiter ein Engel erscheint. Er verspricht dem Bergmann auf einem Baum einen Schatz zu finden. Als dort nichts zu finden ist, empfiehlt der Engel an der Baumwurzel zu suchen. Dort stößt der Mann auf eine dicke Silberader.
Silbervorkommen begründen den Reichtum der sächsischen Herrschaften Kursachsen und Herzogtum Sachsen und führen Ende des 15. Jahrhunderts in Sachsen zur Gründung von Städten. 1498 wird Annaberg gegründet, wo reichhaltige Silbervorkommen gefunden und die Münze von Albrecht von Schreibersdorf 1512 geprägt wurde. Sein Münzzeichen, das Kreuz ist deutlich zwischen zwei von drei Namen zu erkennen, die das Kursächsische Wappen umlaufen: Kurfürst Friedrich III., der Weisse, sein Bruder Herzog Johann, der Beständige, und Georg, der Bärtige. Der Kurfürst und sein Bruder Johann teilen sich die Regierung des Kurfürstentums, Georg regiert das Herzogtum. Bis 1530 lassen sie gemeinsam Silbermünzen prägen, geraten dann wegen der Silberlegierung in Meinungsverschiedenheit und prägen getrennt, mit unterschiedlichem Silberanteil.
Gekreuzte Schwerter sind auf dem Wappen des Reichs-Erzmarschalls zu sehen, ein Titel der im 14. Jahrhundert dem Kurfürsten von Sachsen verliehen und seither an ihn gebunden ist.
Die sehr hohen Einkünfte aus den Silbervorkommen begründen den Reichtum und Machtanspruch der Herzöge von Sachsen. Die Größe der Münze und der große Silberanteil der Münze unterstreichen dies. „GROSSVS NOVVS DVCVM SAXONIE“  - „Neuer Groschen der Herzöge von Sachsen“ bedeutet die lateinische Schrift auf der Rückseite der Münze. Sie umfließt das Allianzwappen der Herzöge. Das Herzschild in der Mitte gleicht dem Wappen des Bundeslandes Freistaat Sachsen.
In der Bruchsaler Kaiserstraße sind schon Ende des 15. Jahrhunderts Herbergen belegt, zum Beispiel die Herberge „Zum Laub“ seit 1488. Der Marktort Bruchsal mit seinem wehrhaften Bergfried und den dicken Umfassungsmauern bietet der Bevölkerung und Händlern Schutz. Der Landesherr demonstriert mit den Verteidigungsbauten Wehrhaftigkeit. Gerne begeben sich Reisende in den Schutz einer gut gesicherten Stadt, um zu Rasten, Handel zu treiben oder auf der Flucht vor Kriegswirren. Vielleicht hat ein Gast in Erwartung eines Überfalls oder während einer der zahlreichen Belagerungen die Münzen im Keller seiner Herberge vergraben. Vielleicht wollte der Besitzer der Herberge sein hochwertiges Erspartes vor dem Zugriff von Plünderern bewahren.
Nach dem 30jährigen Krieg werden immer wieder neue Konflikte am Oberrhein ausgetragen. Bruchsal wird von Truppen besetzt, geplündert und gebrandschatzt, zurückerobert und erneut besetzt. Die Bevölkerung ist in Angst und Schrecken um Leib, Leben und Besitz. Häufig kehren die Geflüchteten nicht mehr zurück und können ihre vergrabene Habe nicht mehr ausheben. Deshalb könnte der Schatz in der Erde geblieben sein.
Die Bombardierung der Stadt im März 1945 und ihr Wiederaufbau spielen als Moment Zufall dem Besitzer des Grundstücks Kaiserstraße 86 den Schatz in die Hände und schließlich in den Besitz der Stadt Bruchsal.
Eine spannende Geschichte, die nur teilweise aufzuklären ist – aber einlädt,  Geschichte und Geschichten anhand von Münzen genauer zu betrachten.
Seien Sie herzlich dazu eingeladen - in Ihr Städtisches Museum Bruchsal.
 
 
Literatur
Anonymus: Die Churfürstliche Sächs. freye Bergstadt St. Annabergk ...; Chronikalische Aufzeichnungen über Annaberg und das Bergwerk bearbeitet von Helmut Unger, in: Streifzüge durch die Geschichte des oberen Erzgebirges Heft 30, Annaberg-Buchholz1995-2000
Ehrend, Helfried: Speyerer Münzgeschichte. Münzen, Medaillen, Marken und Scheine; Neustadt 1976
Heiligenthal, Dr. Ing. R.: Baugeschichte der Stadt Bruchsal vom 13. Bis 17. Jahrhundert. In: Zeitschrift für Geschichte der Architektur. Heidelberg 1909
Greder, Werner: D´Brusler Dorscht. Die Geschichte der Bruchsaler Gaststätten und Brauereien; Hg.: Historische Kommission Bruchsal, Ubstadt-Weiher 1997;
Harster, Dr. W: Der Versuch einer Speirer Münzgeschichte. Speier 1882
Herzer, Fritz Hg.: Bruchsaler Heimatgeschichte. Philippsburg 1955
Rott, Hans; Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Bruchsal (Landkreis Karslruhe). In: Die Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Baden. Beschreibende Statistik; Band 9;  Tübingen 1913
Theis, Dr. Konrad und Baumhauer, Dr. Herrmann Hg.: Heimat und Arbeit. Der Kreis Bruchsal; Aalen 1962

Städtisches Museum Bruchsal
Schlossraum 4
76646 Bruchsal

Eintrittspreise:
Erwachsene 8 Euro
Ermäßigt (Schüler/-innen, Studierende, Schwerbehinderte) 4 Euro
Familienkarte 20 Euro
Gruppenpreis (ab 20 Personen) 7,20 Euro p. P.
(inkl. Eintritt ins Barockschloss und ins Deutsche Musikautomaten-Museum)

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr,
montags nur an Feiertagen,
24./25./31. Dezember geschlossen,
1. Januar ab 13 Uhr geöffnet.

Kontakt bei Fragen und für Buchung von Führungen
(07251) 79-253
regina.bender@bruchsal.de

Plakat mit Erdmännchen