Sommergruß des Deutschen Musikautomaten-Museums

Ukrainische Spuren

Mit dem Angriffskrieg Russlands seit dem 24. Februar auf die Ukraine werden dort auch kulturelle Identifikationsorte wie Theater, Kulturzentren, Schulen oder Kindergärten zerstört. Dies besitzt ganz unvermutet – wenn auch zeitlich und räumlich getrennt – einen Bezug zum wiederaufgebauten Schloss Bruchsal. Hier ist seit fast vierzig Jahren auch die Heimat des Deutschen Musikautomaten-Museums (DMM). Regionale wie nationale kulturelle Identität bedarf ihrer Orte. Schloss Bruchsal, einst fürstbischöfliche Residenz, Witwensitz des Haus Baden und ab 1919 Museum in einer jungen Demokratie, ist ein Beispiel dafür. Der Wiederaufbau des durch Bomben 1945 zerstörten Schlosses, getragen von Land, Kommune und der lokalen Zivilgesellschaft führte zur Feier der dreihundertsten Wiederkehr der Grundsteinlegung des Gebäudes im Mai diesen Jahres. Dies mit einem Festprogramm für ein breites Publikum, das tausende Besucher anzog. Die große Resonanz zeigt, dass das Bruchsaler Schloss und sein Park ein Identifikationspunkt der Stadt und Region sind. Zum einen in der Historie des Schlosses und der Stadt an sich, etwa mit dem dort ebenso beheimateten städtischen Museum zum anderen mit der Thematisierung der Geschichte mechanischer Musikinstrumente aus dem Schwarzwald durch das DMM.
Die in der Ukraine bisher entstanden infrastrukturellen wie gerade auch kulturellen Schäden durch die Kriegshandlungen sind enorm. Aber auch dort wird irgendwann wieder mit einem Aufbau begonnen werden. Ebenfalls im kulturellen Sektor. Aber es bleibt in diesem Zusammenhang ebenso die Frage, was weiß man hier eigentlich über die Geschichte der Ukraine bzw. ihre nationale kulturelle Identität in Selbstdarstellung und Wahrnehmung? Es scheint, dass es bisher eher nur Folklorismen sind.

Nationale Melodien

Am 14. Mai diesen Jahres – im laufenden Kriegsgeschehen - siegte in Turin beim populären „Eurovision Songtext“ die ukrainische Formation „Kalush Orchestra“ mit dem Titel „Stefania“. Die Gruppe, die erst 2021 zusammenfand, mischt Rap mit Motiven ukrainischer Volksmusik. Kennzeichnend dafür ist der Einsatz von Volksinstrumenten und Versatzstücken ukrainischer Trachtenkleidung in den Bühnen-Outfits. Latent war das Musikevent schon immer ein Barometer nationaler Sympathiebekundungen. Viele Länder der Jury setzten diesmal die Ukraine auf Platz eins. Populärmusik bzw. Musik die populär wurde, stieg hier zum kämpferischen nationalen Symbol auf.

„Gewonnen“. Das Kalush Orchestra beim Eurovision Song Contest in Turin. Foto von der facebook Seite der Gruppe. Die Kulturpraxis der einstigen Sowjetunion hatte – trotz einer Russifizierung in Sprache, Bildungswesen und letztlich Gesellschaft – die spezifischen Kulturidentitäten der verschiedenen Ethnien – die sich in der regionalen Folklore mit Tanz-, Musik-, und Gesangsgruppen verbildlichten – bestehen lassen bzw. unterstützt.

Vergleichbar scheint dies mit der ersten deutschen „romantischen“ Nationaloper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Dass die Berliner Uraufführung am 18. Juni 1821, am Jahrestag der Schlacht von Waterloo 1815 stattfand, zeigt, dass man damit symbolisch die Befreiung von napoleonischer Hegemonie feierte. Das „Lied der Brautjungfern“ und der „Jägerchor“ erlangten eine Popularität mit Volksliedstatus. Belege dafür sind z. B. Programmträger der beiden Melodien für viele mechanische Musikinstrumente des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im DMM.

Flötenuhr: Sigmund & Damian Duffner, Furtwangen, Malerei: Mathias Albert, St. Märgen (sign.), um 1850. Betrieb: Gewichte, Stiftwalze, mech. Abtastung, 49 Claves. Instrumentierung: 120 Pfeifen in 5 Registern, 10 Melodien. Die „Uhr“ mit großer musikalischer Ausstattung war wohl einst in eine Wandnische eingebaut, vielleicht in einem Wirtshaus, bevor sie ein Schrankgehäuse erhielt. Damit kennzeichnet sie indirekt den Übergang zum Orchestrion. Die bildliche Darstellung oben spielt wohl auf die mythologische Interpretation der „Wilden Jagd“, als Zeichen böser Mächte, in einer zentralen Szene der Oper in der „Wolfsschlucht“ an. Die Jägergestalten im „Tiroler Kostüm“ unten – welches zu dieser Zeit auch durch den Freiheitskampf Andreas Hofers gegen Napoleon als deutschnational galt - deuten auf die Protagonisten der Oper zwischen „Gut und Böse“ Kasper und Samiel hin. Foto: Thomas Goldschmidt

Die Relation von Musik und Politik, die politische Aussage von Opern im 19. Jahrhundert allgemein, machte z. B. ebenso Giuseppe Verdi zum „Barden der italienischen Nationalbewegung“. Viele seiner Melodien, in den Programmträgern des DMM vertreten, stehen heute für eine kulturelle italienische Identität schlechthin.

Ein Exkurs in österliche Folklore

Aus aktuellem Anlass will der Beitrag des DMM bei seinen „Schlossgrüßen“ diesmal nicht nur musikalische Aspekte aufgreifen. Denn Objekte seines „Mutterhauses“, des Badischen Landesmuseums Karlsruhe (BLM), können die vorgenannten Fragestellungen zur kulturellen Identität der Ukraine klarer vertiefen. Das Osterfest, noch mehr als Weihnachten, spielt in den orthodoxen Kirchen eine wichtige Rolle, auch in der Ukraine. Die Feier der „Auferstehung Christi“ am 24. April diesen Jahres fand unter der Flucht tausender Frauen aus der Ukraine statt, die sonst das Fest zuhause in der traditionellen Gestaltung tragen. Bezeichnend, dass einige von ihnen in Deutschland angekommen, als mentalen Ausgleich hier traditionelle Ostereier wie in ihrer Heimat anfertigten.
2002 erwarb das BLM Teile der Sammlungen der populärwissenschaftlichen Sammlerin Maud Pohlmeyer (1925-2007) zu brauchbezogenem Kunsthandwerk mit einem Fokus auf Weihnachten und Ostern aus Europa, Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika. Die in Breslau (heute polnisch Wroclaw) geborene medizinisch-technische Assistentin lebte seit 1958 in Hamburg. In ihrem „Unruhestand“ brachte sie eine große Volkskunst-Kollektion zusammen, die sie ab 1980 in Ausstellungen deutschlandweit präsentierte. Beim Thema „Ostern“ war die Ukraine von Beginn an prominent vertreten.

Objekte zur Inszenierung eines ukrainischen Ostertisches der Sammlung Maud Pohlmeyer: Ikone mit einem Auferstehungsmotiv und besticktem „Schal“, Leuchter mit Intarsien und gedrechselten „Glöckchen“, gedrehte Holzteller und „Perleier“, bei denen in eine Wachsummantelung Glasperlen eingedrückt sind.Foto: Thomas Goldschmidt. Inv. Nr. 2004/584-1426, 2004/584-1779, 2004/584-1780, 2004/584-1781, 2004/584-1784, 2004/584-2101 a–e.

Historische Relationen


Die Erklärungen von Maud Pohlmeyer zu den Objekten bei ihren Ausstellungen entstanden nach ihr damals verfügbaren Quellen. In der Vorzeit des Internets und mit den Schranken des „Eisernen Vorhangs“ waren das Publikationen und Artikel, die „Volkskunst“ aus Osteuropa beschrieben. Aber solche Quellen reflektierten kaum die Entstehung der Ukraine als Teilrepublik der Sowjetunion. Auch nicht die grenzübergreifende Bedeutung des Kulturraumes der Karpaten und seines Vorlandes, der sich auf die heutige Ukraine, Polen, Rumänien und die Slowakei erstreckt. Dahinter verbirgt sich, dass diese Gebirgslandschaft bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörte. Mit diversen historischen Zuordnungen: So umfasste z. B. „Galizien“, als der von den Habsburgern regierte südliche Teil des mit Preußen und dem zaristischen Russland geteilten Polens, grob einen Bogen von Krakau über Lemberg (Lwiw) als Hauptstadt bis nach Kossiw (Kosów). Dort war die Amtssprache sogar Polnisch. Die Slowakei mit einem großen ungarischen Bevölkerungsanteil gehörte zum Besitz der ungarischen Krone, wie auch Teile des heutigen Nordrumäniens, den der Karpaten-Bogen ebenfalls durchzieht. Wie ein Teil der Bukowina, einer kulturell rumänisch geprägten Landschaft, die teils heute zur Ukraine gehört, der größere Teil jedoch zu Rumänien. Vergleichend zu erwähnen, dass sich das benachbarte historische, ebenfalls rumänisch geprägte, Fürstentum Moldau heute auf Rumänien, Moldau und wieder die Ukraine verteilt. Diese komplexen geo-politischen Entwicklungen sollen hier nur grob skizziert sein. Per se waren aber diese Regionen – mit lokalen Gewichtungen – multiethnisch strukturiert.

Huzulen

Wichtig im Bezug zur ukrainischen Kulturidentität ist, dass in den Karpaten die Huzulen beheimatet sind, die den Gebirgszug kulturell prägten. Ihr Siedlungsgebiet umfasst heute das Grenzgebiet zwischen Polen, der Ukraine und Rumänien. Ursprünglich waren sie meist Schafzüchter, wandernd zwischen Dauersiedlungen und Bergweiden, sowie in der Forstwirtschaft und Flößerei tätig. Viele sprechen heute noch neben ihrem „russinischen“ Dialekt, der mit rumänischen Wörtern durchsetzt ist, Ukrainisch, Rumänisch, Polnisch bzw. Russisch. Meist gehören sie der griechisch-katholischen oder ukrainisch-orthodoxen Kirche an. Bekannt wurde gerade ihr traditionelles Kunsthandwerk: Holzschnitzerei, Kupferarbeiten, Weberei, Töpferei oder das Verzieren von Ostereiern, in der Technik der Wachs-Batik oder mit dem Aufbringen von Perlen in ein Wachsbett. So gab es bis dato im karpato-ukrainischen Kossiw wöchentlich den „Huzulen-Basar“. Hier waren neben Vieh, Lebensmitteln, Haushaltsartikeln und technischem Gerät auch traditionelle Kleidungsstücke und Kunsthandwerk zu bekommen. Dieses Angebot richtete sich zum einen an immer noch teils im ländlichen Bereich in traditionellen Strukturen lebende Huzulen, zum anderen an Volkskunst-Interessierte.

Lithographierte Postkarte: Souvenirbrettchen mit Motiven huzulischer Trachten, UdSSR, um 1935. Privatarchiv

Handelsstrukturen

In den sozialistischen Staaten des einstigen Ostblocks besaß das „künstlerische Volksschaffen“ aufgrund der politischen Doktrin einen hohen Stellenwert, wurde mit Ausstellungen und staatlich unterstützten Volkskunst-Werkstätten mit oft eigenen Schulen protegiert. Einzeln produzierende Handwerker und Handwerkerinnen gehörten Verbänden an. Der Absatz aus diesen Produktionsstrukturen wurde durch eigene Handelsorganisationen gewährleistet, im In- wie Ausland.
Aus einem Schreiben von 1980 geht hervor, dass Maud Pohlmeyer Objekte für ihren Ostertisch aus der Ukraine von einer Schwester Veronica aus der Klostergemeinschaft „Maria Schutz“ des ukrainischen Studiten-Ordens in Krefeld-Traar erhielt. Neben einer Auflistung der Objekte liegt eine Anleitung der Ordensfrau vor, wie diese anzuordnen seien und welche Bedeutungen ihnen zu Grunde liegen sollen. Wo Schwester Veronica einzelne Objekte für Maud Pohlmeyer beschaffte, ist nur zu vermuten. Doch 1983 wurde beim Handelsregister am Amtsgericht in Kleve die „Swjata Pokrow, Ukrainische Kunstwerkstätte der Studitinnen Schwestern GmbH“ (später mit Sitz in Emmerich) eingetragen. Mit dieser Unternehmung, benannt nach dem Ikonenmotiv der „Gottesmutter von Pokrow“, erschlossen sich der Gemeinschaft neue Einkünfte. Wohl beschäftigten sich die Schwestern neben dem „Schreiben“ von Ikonen mit traditionellen ukrainischen Stickereien sowie Ostereiern. Andere Dinge konnte Schwester Veronica sicher aus der Ukraine beziehen. Deutlich ist aber, dass diese die traditionelle Technik der Verzierung von ukrainischen Ostereiern in der Wachsbatik-Technik selbst beherrschte, wie auch andere Frauen mit Wurzeln von dort, die diese österliche Tradition in Erinnerung an die alte Heimat weiterführten. Diese Objekte fanden etwa gerade Absatz in der Nostalgie- und Folklorewelle der 1970/80er Jahre.

Neue Heimat

Die Entstehung der Klostergemeinschaft nahe Krefeld 1947 hatte den Hintergrund, dass während der Nazi-Herrschaft alleine in den dortigen damaligen „Edelstahlwerken“ rund 1.200 vorwiegend sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene arbeiteten, viele davon aus der Ukraine. Gerade dort, in einem der größten Teilstaaten der UdSSR, hatte die zunächst freiwillige, bald fast ausschließlich erzwungene Rekrutierung von Arbeitskräften für das Deutsche Reich mit Beginn des „Unternehmen Barbarossa“, dem Überfall der Deutschen Wehrmacht 1941 auf die Sowjetunion, besonders greifen können. Unter Stalin war ihre Heimkehr nach 1945 mit der Verbannung in Straflager als vermeintliche „Kollaborateure“ verbunden. Dies betraf weitere Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen mit Heimat in dieser Region, die z. B. i weiteren Betrieben aber ebenso in der deutschen Landwirtschaft Einsatz gefunden hatten. So blieben viele in den westlichen Besatzungszonen als „Displaced Persons“. Auch solche aus dem nach dem Molotow-Rippentrop Pakt (1939) von der Sowjetunion annektierten ostpolnischen Gebieten, wo es ebenfalls orthodoxe Kirchenstrukturen gab. Und nachdem die ukrainisch-katholische Kirche 1946 zwangsweise in die russisch-orthodoxe Kirche eingegliedert wurde, konnten die Ordensgemeinschaften des um 1900 entstandenen ukrainischen Studiten-Ordens nur noch in der Diaspora weiterbestehen. Dies änderte sich erst 1990 mit der Unabhängigkeit der Ukraine, als die ukrainisch-katholische Kirche sich auch dort neu konstituierte.
Für die sich damals in Traar bildende ukrainisch-katholische Kirchengemeinschaft mit angeschlossener studitischer Frauenordenschaft wurde 1958 ein kleiner Sakralbau des Krefelder Architekten Theo Spieß im „byzantinischen Stil“ errichtet, getragen gerade von Spenden der in der BRD geblieben ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter orthodoxen Glaubens. Er erhielt den Namen „Maria Schutz“, nach „Mariä Schutz und Fürbitte“, ein Fest der orthodoxen Kirchen, welches der Gottesmutter als Schutzheiligen und Fürsprecherin gedenkt. Die studitische Ordensgemeinschaft in Traar existiert heute nicht mehr, doch die Kapelle fungiert weiter als religiöse Stätte für orthodoxe Gläubige aller Gruppierungen mit Wurzeln aus Osteuropa.

Fotopostkarte: „Maria Schutz“ in Krefeld-Traar, um 1965. Privatarchiv

Aktuelle Fragestellungen

Was mögen die ukrainischen Objekte aus der Sammlung Maud Pohlmeyer verdeutlichen? Dass schon einmal Menschen aus der Ukraine wegen Kriegshandlungen ihre Heimat aufgeben mussten, um anderswo neu anzufangen? Dass aktuell die große Hilfsbereitschaft der Nachbarländer Polen, der Slowakei, Rumänien und Moldau bei der Aufnahme von Flüchtenden aus der Ukraine sicher auf gemeinsamen kulturellen Wurzeln und historisch-territorialen Zugehörigkeiten basiert? Dass das Wissen im Westen in der Breite über die Geschichte, Kultur und Ethnogenese der Ukraine bisher meist nicht über stereotype folkloristische Bilder hinausgeht? Damit mag ein im westlichen Europa zumeist vorherrschender Blick auf zentro-russische Geschichte und deren historische bourgeoise Kultur mit Literaten, Komponisten, Malern, Ballettkompanien – gerade noch der sowjetischen Avantgarde der 1920er Jahre - in Frage gestellt werden. Dabei wurde das Kulturschaffen in den Bildenden Künsten der alten Teilrepubliken oder heutigen Nachfolgestaaten der UdSSR nur nachgeordnet gesehen oder unter „russischem Kulturschaffen“ subsumiert. Auch gerade das der Ukraine. Hier besteht ein eindeutiger Nachholbedarf.
Doch noch einmal zurück zum DMM. Auch hier gibt es z. B. keine Programmträger wie etwa Notenrollen für Klaviermusik explizit ukrainischer Komponisten. Doch zu verzeichnen Schloss Bruchsal, DMM und Stadtmuseum nun einen Anstieg von Besuchern aus dem Kreis der geflüchteten Ukrainer, meist Frauen mit Kindern, welche die Stadt Bruchsal aufgenommen hat und auf verschiedene Art unterstützt.

Das „Große Orchestrion“ von Michael Welte für Odessa. Bildquelle: Zeitschrift für Instrumentenbau, Bd. 29, (1908/09), S. 443

Und gerade die mechanischen Musikinstrumente aus dem Schwarzwald besitzen wieder unvermittelt einen Bezug zur Ukraine. Einer der Gründerväter dieser Branche, der Flötenuhrbauer Michael Welte (1807-1880), der ab 1840 in Vöhrenbach eine eigene Werkstatt betrieb, erhielt 1845 aus der prosperierenden Stadt Odessa den Auftrag ein Instrument zu bauen, sein erstes reines Orchestrion, das sämtliche Orchesterstimmen für Opernmusik imitieren sollte. Es enthielt circa 1.100 verschiedene Pfeifen, die diverse Instrumente klanglich nachstellen konnten sowie ein Schlagwerk (Trommel). Die Operntitel waren auf Stiftwalzen „programmiert“. Vor dem Abtransport nach Odessa wurde es 1849 in Karlsruhe auf Veranlassung der „Großherzoglich Badischen Polytechnischen Schule“ für einige Tage ausgestellt, von Tausenden Besuchern bei seinen Konzerten bestaunt. Welte erhielt für das Instrument eine Auszeichnung des Badischen Großherzogs. Dann begleitete der Konstrukteur des Instrumentes die Lieferung und Aufstellung des Gerätes selbst nach Odessa. Dieser Auftrag begründete den Aufstieg Weltes als international agierendes Unternehmen für mechanische Musik. Damit ist der Bau mechanischer Musikinstrumente in Baden auch ein kleiner geschichtlicher Teil der Ukraine.

Andreas Seim

Barockschloss Bruchsal
Schlossraum 4
76646 Bruchsal

Eintrittspreise:
Erwachsene 8 Euro
Ermäßigt (Schüler/-innen, Studierende, Schwerbehinderte) 4 Euro
Familienkarte 20 Euro
Gruppenpreis (ab 20 Personen) 7,20 Euro p. P.
(inkl. Eintritt ins Barockschloss und ins Deutsche Musikautomaten-Museum)

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr,
montags nur an Feiertagen,
24./25./31. Dezember geschlossen,
1. Januar ab 13 Uhr geöffnet.

Während des Aufenthalts im Schloss gelten die bekannten Hygiene- und Kontaktvorschriften.

Plakat mit Erdmännchen