Informationen zur aktuellen Entwicklung des Corona-Virus in Bruchsal

Aufgrund der aktuellen Entwicklung in Sachen Corona-Virus hat die Stadt Bruchsal umfassende Maßnahmen beschlossen. Auf der Informationseite finden Sie alles Wissenswerte speziell für Bruchsal und seine Stadtteile.

Gedenken an die Opfer von Gewalt und Vertreibung

80. Jahrestag der Deportation der badischen Juden nach Gurs
82. Jahrestag der Zerstörung der Bruchsaler Synagoge

 
Für die Jahrestage, an denen Bruchsal der Verbrechen des NS-Regimes und des Schicksals der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus gedenkt, waren ursprünglich verschiedene Veranstaltungen geplant, die jedoch aufgrund der Maßnahmen gegen die Corona-Epidemie nicht stattfinden konnten. U.a. war ein Konzert mit den weltbekannten Klarinettisten Giora Feidman geplant, das nun vom Jazzclub Bruchsal und der Stadt Bruchsal auf den 30. September 2021 verschoben wurde. Dennoch wurden am 22. Oktober und 9. November andere Formen des Erinnerns gefunden, um an die Verpflichtung zu Toleranz und Menschlichkeit zu mahnen.
 
 

Frau Oberbürgermeisterin Petzold-Schick und Herr Dr. Rüdiger Czolk von der Friedensinitiative Bruchsal vor der Tafel der ehemaligen Synagoge

9. November: Stilles Gedenken vor dem Standort der ehemaligen Bruchsaler Synagoge in der Friedrichstraße
Ein alternativer Stadtrundgang mit Dr. Rüdiger Czolk von der Friedensinitiative Bruchsal zu den örtlichen Schauplätzen des Nationalsozialismus und eine Gedenkstunde vor dem früheren Standort der jüdischen Synagoge in der Friedrichstraße hätte am Sonntag, 8. November, an die Verbrechen des NS-Regimes erinnern sollen. Vorgesehen waren Beiträge von Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick sowie des Vorsitzenden des Fördervereins Haus der Geschichte der Juden Badens und Schülerinnen des Schönborngymnasiums. Aufgrund der aktuellen Regelungen gegen die Corona-Pandemie kann diese Veranstaltung, die von der Friedensinitiative in ähnlicher Form alljährlich durchgeführt wird, nun nicht wie geplant stattfinden.
Um durch stilles Gedenken ein Zeichen der Erinnerung zu setzen, kamen Dr. Czolk und Oberbürgermeisterin Petzold-Schick am Platz der früheren Synagoge zusammen. Stellvertretend wurde mit einem Blumengebinde und einer Schweigeminute an die Geschehnisse der nationalsozialistischen Pogrome in Bruchsal gedacht, die sich am Montag zum 82. Mal jähren. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten NSDAP-Parteimitglieder, SA- und SS-Männer die Synagoge bis auf die Grundmauern nieder. Der für Sonntag, 8. November 2020 geplante alternative Stadtrundgang wird, sobald das Pandemie-Geschehen es wieder zulässt, von der Friedensinitiative zu einem späteren Zeitpunkt erneut als öffentliche Veranstaltung angeboten.

Personen mit Portraitfotos von Bruchsaler Opfern nehmen am Schweigemarsch durch Bruchsal teil.
Schweigemarsch durch die Bruchsaler Innenstadt

22. Oktober 2020: Gedenkmarsch in Bruchsal
Mit einem Schweigemarsch vom Otto-Oppenheimer-Platz durch Kaiserstraße und Friedrichstraße zum Viktoriapark beim Bahnhof erinnerten in Bruchsal der Förderverein Haus der Geschichte der Juden Badens, der Förderverein Lernort Bergfried Bruchsal und die Friedensinitiative Bruchsal an die Ereignisse vor 80 Jahren. Die rund 50 Teilnehmer trugen auf ihrem Weg durch die Stadt Porträtfotos von Bruchsaler Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit sich, um an ihre Namen zu erinnern und ihnen ihr Gesicht wiederzugeben. In ihrem Grußwort erinnerte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick daran, dass die Singularität dieser Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten dürfe. „Dies umso weniger, als jüdisches Leben in Deutschland auch heute – noch und wieder – gefährdet ist. Die Zahl der antisemitischen Straftaten ist seit Jahren hoch. Angriffe, Anfeindungen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen an jüdischen Einrichtungen gehören für Jüdinnen und Juden in Deutschland zum Alltag“, so die Oberbürgermeisterin. Nach einigen Momenten der Stille vor der ehemaligen Synagoge riefen an der letzten Station des Schweigemarsches, direkt gegenüber dem Bahnhof, Gedenkworte, biografische Erinnerungen und ein Brief an die Veranstalter von Hélène Yaïche-Wolf, der Tochter des mit 14 Jahren aus Bruchsal deportierten Richard Wolf, die Geschehnisse des 22. Oktober 1940 wach – nahe des Ortes also, von dem aus die Züge in das Lager Gurs fuhren.

Gedenkveranstaltung vor dem Mahnmal am Kindergarten „Arche Noah“

22. Oktober 2020: Gedenken in Untergrombach: „Ihre Namen sollen laut werden“
Frederike Oppenheimer, Betti Baer, Sophie Elsa Falk, Friedrich Falk, Julius Falk, Berthold Falk, Clara Kahn, geborene Meerapfel – so hießen die jüdischen Männer und Frauen aus Untergrombach, die am 22. Oktober 1940 ins Internierungslager Gurs verschleppt wurden. „Ihre Namen sollen laut werden – sie sind auf keinem Grabstein zu finden“, sagte Pfarrerin Andrea Knauber bei der Gedenkveranstaltung vor dem Mahnmal am Kindergarten „Arche Noah“. „Wie es dem jüdischen Brauch entspricht, legen wir für jeden deportierten und ermordeten Menschen einen Stein auf das Mahnmal.“ Es stammt noch aus der ehemaligen Untergrombacher Synagoge. Ortsvorsteherin Barbara Lauber und der Vorsitzende des Heimatvereins, Martin Lauber, lasen abwechselnd Tagebucheinträge von damals. „Diese Erinnerungen sollten nie vergessen werden“, sagte die Ortsvorsteherin. „Die Nationalsozialisten wählten mit dem 22. Oktober 1940 ausgerechnet das jüdische Laubhüttenfest, um Menschen in die Züge zu treiben und zu deportieren“, erinnerte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick; ein Fest, mit dem das jüdische Volk jedes Jahr an seinen Weg aus der Knechtschaft Ägyptens ins Land der Verheißung erinnert. „Was für eine entsetzliche Umkehrung dieses Feiertages“, so Petzold-Schick. Für die katholische Gemeinde beteiligte sich Pfarrer Thomas Fritz an der Gedenkfeier und für die Untergrombacher Jugendlichen Maya Porwok. Mit Klezmer-Musik umrahmten Wolfgang Wittke und Jutta Fischer die Veranstaltung. (MAR)

Fotofreunde Heidelsheim: Gedenkveranstaltung auf dem Platz bei der Stadtkirche in Heidelsheim

22. Oktober 2020: Gedenken in Heidelsheim
Auch Heidelsheim gehörte zu den insgesamt 137 badischen Gemeinden, in denen Menschen jüdischen Glaubens von der Deportation betroffen waren. Auf dem Platz bei der Stadtkirche wurde erinnert an drei Opfer des Holocaust, Ida und Emanuel Maier und Beatrice Stengel. Vor dem Mahnmal mit der Inschrift „Im Gedenken an unsere verschleppten jüdischen Mitbürger“, geschaffen von örtlichen Mitgliedern des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder im Jahr 2005, versinnbildlichten ein Davidstern aus Kerzen und drei Koffer mit den Namen das Schicksal so vieler, die durch die nationalsozialistische Gewaltideologie ihr Leben verloren haben. Gemeinsam getragen wurde das Gedenken von den beiden Kirchengemeinden und der Stadt Bruchsal, der Posaunenchor Heidelsheim umrahmte die Veranstaltung musikalisch. Ortsvorsteher Uwe Freidinger, Pfarrer Thomas Fritz, Inge Schmitt, Gemeindediakon Manuel Härer und Jugendliche aus der evangelischen Gemeinde sprachen Worte der Erinnerung und der Mahnung. Ein besonderer Moment der Stille entstand, als Steinmetzin Sonja Stadelwieser-Spiegel für einige Minuten mit leisem Klopfen an der Inschrift „Erinnern für die Zukunft“ eines künftigen Gedenksteins arbeitete. Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick rief das jahrhundertelange christlich-jüdische Zusammenleben in Heidelsheim in Erinnerung und sagte: „Spätestens mit der Deportation am 22. Oktober 1940 wurde jede Normalität endgültig ausgelöscht und abgelöst durch die Erfahrung von radikaler Ausgrenzung. Die Menschen wurden konfrontiert mit einem Vernichtungswillen, der sich gegen den gesamten jüdischen Teil der deutschen Gesellschaft gerichtet hat.“

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