Überlieferung der MGV Cäcilia findet neue Heimstätte

Vereinsfahne des MGV Cäcilia. Foto: Städtisches Museum Bruchsal

Die „Brauerei Ochsen“, in der sich im Januar 1879 Mitglieder der Gesangsabteilung des katholischen Bürgervereins trafen, um die Gründung eines eigenständigen Vereins zu beschließen, die „Brauerei Greulich“, das „Gasthaus zum Löwen“, Interimsquartiere nach dem Zweiten Weltkrieg und „Prinz Max“ – der „Männergesangsverein Cäcilia“ hatte in seiner knapp 150-jährigen Geschichte viele Vereinslokale. Gesungen wurde dort, gelacht, bestimmt auch diskutiert, gegessen, getrunken und geplant. Mit der Auflösung im letzten Jahr endete die aktive Zeit des Vereins, doch in den neuen Heimstätten der Vereinsüberlieferung, dem Stadtarchiv und dem Städtischen Museum, zeugen die Archivalien und Objekte weiterhin vom regen Vereinsleben.

Foto: Stadtarchiv Bruchsal

Zwei laufende Meter Schriftgut dokumentieren die Vereinssitzungen vom Zweiten Weltkrieg bis in die 2010er Jahre, reich verzierte Urkunden zeugen von Preisen bei Punktesingen und anderen Sängerwettbewerben, aus alten Noten ersteht ein Bild des Chor-Repertoires, die „Sängerwarte“, die Monatsschrift der MGV Cäcilia Bruchsal erzählt von allen Vereinsaktivitäten in der Weimarer Republik und die Vereinszeitschrift „Der Cäcilianer“ von denen in den letzten 50 Jahren. Dazu kommen ca. 20 großformatige Fotografien aus der Vereinsgeschichte, die die schriftlichen Dokumente mit visuellen Eindrücken unterlegen.

Foto: Stadtarchiv Bruchsal

Eine großformatige Fotografie wollen wir Ihnen näher vorstellen. Kommt Ihnen das Bild aus dem Jahr 1888 irgendwie seltsam vor? Tatsächlich besteht es aus einer Vielzahl kleinerer Gruppenfotos, die durch eine frühe Fotomontagetechnik (Schere und Klebstoff inbegriffen) zusammengefügt wurden. Gerade für Vereine und Regimente wurde diese Art der Fotomontage im Kaiserreich gerne genutzt, denn so konnten alle Mitglieder der Gemeinschaft en detail und in einem kollektiven Männerbundgeist dargestellt werden. Neben den Vorteilen, kein aufwändiges Großgruppenfoto produzieren zu müssen, konnte das Bild auf diese Weise auch legerer gestaltet werden. Ein paar der Kleingruppen hat der Fotograf mit Bierkrügen ausgestattet, andere halten ihre aufgeschlagenen Gesangbücher in der Hand. Durch den gemalten Hintergrund entsteht die Atmosphäre eines Frühlingsausflugs und mit den leichten Skizzen von Bruchsaler Schloss und Belvedere konnte das serienfach verkaufte Hintergrundbild individualisiert werden. Die Anordnung der Kleingruppen zueinander konnte ebenfalls dazu genutzt werden, um Hierarchien abzubilden und die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den drei Einzelpersonen in der oberen Bildmitte um Vorstandsmitglieder oder sogar den damaligen Dirigenten des Chors handelte.

Bierbecher als Lohn für regelmäßige Teilnahme an den Proben. Foto: Städtisches Museum Bruchsal

Neben Archivgut und Fotografien machen auch zahlreiche Objekte die Vereinsgeschichte der Sänger greifbar. Unter diesen Stücken, die zukünftig im Depot des Städtischen Museums konserviert werden, befinden sich allerhand Pokale, Auszeichnungen sowie die Vereinsfahne. Eine kleine, beispielhafte Auswahl stellen wir hier vor.
Die Pokale waren bis zur Auflösung des Vereins in der Vereinsgaststätte „Graf Kuno“ in der Württemberger Straße ausgestellt und zeugen vom Erfolg bei zahlreichen Wertungssingen, so beispielsweise eine Auszeichnung, die der Verein anlässlich des Jubiläums der Karlsdorfer Liederhalle 1973 gewann. Ebenso glänzt ein auffälliger, mit Schuppenmuster gestalteter Pokal, den der Verein 1995 bei einem Wertungssingen anlässlich des Jubiläums des „Gesangvereins Sängerbund 1895 Linkenheim“ für sich entschied. Diese und viele andere Preise werden von nun an im Depot erhalten. Vom aktiven Vereinsleben erzählt die Spendenkasse, die - aufwändig gestaltet und mit einem Wimpel versehen - bei großen Versammlungen des Vereins bereitstand und in der die Mitglieder für die Jugendarbeit sammelten, wie Otto Ihle erzählt. Ebenso erinnert er sich aus seiner langjährigen Zeit als aktives Vereinsmitglied an die motivierende Aussicht auf die persönlich gewidmeten Biergläser: Wer nicht mehr als drei Mal im Kalenderjahr bei den Proben fehlte, erhielt ein solch mit Namen versehenes Exemplar. Wer sich gar keine Fehlstunden zu Schulden kommen ließ, durfte sich gar über einen Weinrömer freuen. Von den Freundschaften, die der Verein unterhielt, zeugt beispielhaft ein Geschenk des Gesangvereins der Bruchsaler Partnerstadt Sainte-Menehould in Frankreich. Deutlich wird, dass der Männergesangsverein Cäcilia nicht nur in Bruchsal aktiv und bekannt war, sondern auch im Umland und sogar international eine gute Vernetzung aufgebaut hatte. Weitere besondere Stücke sind beispielsweise die Zelter-Plakette, die dem Verein 1979 zum 100-jährigen Bestehen verliehen wurde, und die Vereinsfahne. Sie ist in einem hellen, goldfarbenen Ton gehalten und zeigt gegenüber dem Bruchsaler Stadtwappen eine Lyra, ein antikes Zupfinstrument. Mittig prangt die Heilige Cäcilia. Diese ist als Märtyrerin der katholischen Kirche bekannt und gilt als Schutzpatronin der (Kirchen-) Musik. Daher ist sie häufig in Zusammenhang mit Chören oder Instrumentalgruppen zu sehen und zeigt als Attribut meist ein Portativ (eine kleine, tragbare Orgel mit Handbalg) – so auch auf der Fahne des Bruchsaler Vereins.
Gemäß den verschiedenen Sammlungsaufträgen und Expertisen im Bereich der Bestandserhaltung teilten Stadtarchiv und Städtisches Museum den Vereinsnachlass auf. Dokumente und Kleinst-Objekte lagern in den Rollregalanlagen des Archivs, größere Objekte in den Magazinen des Städtischen Museums, wo sie durch eine passende klimatische Umgebung und staubfreie Verpackung bestmöglich konserviert und erhalten werden.

Galeriefotos: Städtisches Museum und Stadtarchiv Bruchsal

Barockschloss Bruchsal
Schlossraum 4
76646 Bruchsal

Eintrittspreise:
Erwachsene 8 Euro
Ermäßigt (Schüler/-innen, Studierende, Schwerbehinderte) 4 Euro
Familienkarte 20 Euro
Gruppenpreis (ab 20 Personen) 7,20 Euro p. P.
(inkl. Eintritt ins Barockschloss und ins Deutsche Musikautomaten-Museum)

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr,
montags nur an Feiertagen,
24./25./31. Dezember geschlossen,
1. Januar ab 13 Uhr geöffnet.

Während des Aufenthalts im Schloss gelten die bekannten Hygiene- und Kontaktvorschriften.

Plakat mit Erdmännchen