Musikstadt

Die musikalische Landschaft ist in Bruchsal mit über 50 Musik- und Gesangvereinen sehr ausgeprägt.

Im Vereinsverzeichnis können Sie sich genauer über die Musik- und Gesangvereine informieren.

Bruchsal als Musikstadt – hier gibt’s was für die Ohren

„Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Dieser Spruch von Wilhelm Busch mag vielleicht andernorts gelten, in Bruchsal jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil: Die Tonkunst, die laut Heinrich von Kleist „die Wurzel aller übrigen Künste“ darstellt, wird in Bruchsal in einem ganz besonderen Maße gehegt und gepflegt. Und zwar nicht nur in unseren Tagen, sondern auch schon zu früheren Zeiten.

Schloss Bruchsal: Musizierende Mädchen im Deckenfresco des Marmorsaales, Foto: Heintzen

Der Schlosserbauer Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn, selbst aktiver Geigenspieler und eifriger Sammler von Notenblättern, verfügte bereits vor rund 300 Jahren über eine kleine Hofmusik, welche von seinen Nachfolgern immer mehr vergrößert und gepflegt wurde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts stand diese Hofmusik, für die es übrigens im Schloss eigens einen Kammermusiksaal gab, unter der Leitung des aus dem Bayerischen stammenden Komponisten und Dirigenten Johann Evangelist Brandl (1760-1837). Nach seinem Tode ist er zwar als Komponist in Vergessenheit geraten, doch in den vergangenen Jahrzehnten wurde er von der Musikforschung wie viele andere so genannte „Kleinmeister“ wiederentdeckt. Daher gibt es zwischenzeitlich auch CD-Einspielungen seiner Werke und seine Bedeutung für die Entwicklung des Fagotts in der Kammermusik ist in Fachkreisen unbestritten.

Wenn man in die Bruchsaler Musikgeschichte blickt, darf man auch Marianne Kirchgessner (1769-1808) nicht unerwähnt lassen. Die hier geborene Künstlerin gehörte zu den führenden Glasharmonikavirtuosinnen ihrer Zeit und die Konzertsäle Europas waren ihr zweites Zuhause. Wolfgang Amadeus Mozart komponierte eigens für sie sein berühmtes Glasharmonikaquintett KV 617.

Doch Marianne Kirchgessner ist nicht die einzige Verbindung zwischen Mozart und Bruchsal. Als Kind befand sich der Komponist anno 1763 zusammen mit seinem Vater Leopold und seiner Schwester Maria Anna auf einer Konzertreise durch Europa und auf dem Weg nach Mannheim machte die Reisegesellschaft von Ludwigsburg kommend auch in Bruchsal Station.

Man nächtigte im damaligen Gasthaus „Zum Riesen“, wo auch heute noch am Nachfolgegebäude (Betten-Mangei in der Anton-Wetterer-Straße) eine Gedenktafel an die berühmten Gäste erinnert. Vater Leopold scheint jedenfalls von Bruchsal und seiner Residenz begeistert gewesen zu sein. Denn er schreibt am 19. Juli 1763 nach Salzburg an seinen Freund Lorenz Hagenauer: „…die Residenz von Bruchsal ist sehenswürdig, die Zimmer sind von allerbestem Geschmack; nicht viele Zimmer, aber so edel, unbeschreiblich reizend und kostbar, dass man nichts angenehmeres sehen kann…“.

Gedenktafel für Marianne Kirchgessner und Wolfgang Amadeus Mozart am Standort des früheren Gasthauses "Zum Riesen", Foto: Stadt Bruchsal

Und schließlich gibt es noch eine dritte Verbindung zwischen dem großen Tonschöpfer Mozart und unserer Stadt: 1728 wurde im heutigen Stadtteil Heidelsheim Johann Andreas Stein geboren. Er war ein bekannter Klavierbauer und Begründer einer angesehenen Instrumentenbauerdynastie, die bis ins 20. Jahrhundert hineinreichte. Mit der Familie Mozart war er gut befreundet und der große Komponist lobte mehr als einmal in seinen Aufzeichnungen die außerordentliche Qualität der „Stein’schen Klaviere“.

Wenn wir dann ins 19. Jahrhundert schauen, kommt die große Zeit der Vereinsgründungen und nicht wenige heute noch bestehenden Chöre, Kirchenchöre und Musikvereine haben ihren Ursprung in diesem Zeitabschnitt. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das Bruchsaler Sinfonieorchester, welches 1837 als Musikverein ins Leben gerufen wurde und 2012 auf eine 175jährige Geschichte zurückblicken kann. Ferner etablierten sich im 19. Jahrhundert Instrumentenbauer, der Musikalienhandel begann, eine städtische Musikschule wurde gegründet und all dies zeigt, dass die Musik nun auch wie in anderen Städten mehr und mehr Zugang gefunden hat in die Wohnzimmer des aufkommenden Bürgertums.

Historisches Schlosskonzert in den 1920er Jahren, Foto: Stadtarchiv

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besann man sich wieder auf alte Traditionen und rief die „Historischen Schlosskonzerte“ ins Leben. Aus ganz Süddeutschland kam das Publikum zu diesen Veranstaltungen und Berichte zu den Aufführungen waren auch in der überregionalen Presse keine Seltenheit. Erst der Zweite Weltkrieg setzte dieser Konzertreihe ein Ende. In den Jahren des Wiederaufbaus wurden dann die Harmonikavereine, die Stadtkapellen und der Fanfarenzug gegründet und ab 1969 gab es in Bruchsal auch wieder eine Musikschule, die dann bald darauf zur Musik- und Kunstschule (MuKS) erweitert wurde. Zahlreiche „Jugend musiziert“-Preisträger und Berufsmusiker sind aus ihr hervorgegangen und in wenigen Jahren kann sie ihr 50jähriges Bestehen feiern. Derzeit werden an ihr rund 2.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet und mehrere private Musikschulen ergänzen das städtische Angebot. Besondere Beachtung finden heute auch die wieder seit 1955 existierenden Schlosskonzerte, die der „Kulturring Bruchsal e. V.“ zusammen mit dem SWR veranstaltet. Im Rahmen dieser Konzerte waren bereits nicht wenige weltbekannte Instrumentalisten zu Gast in unserer Stadt.

Heute in unseren Tagen wird, wie schon eingangs erwähnt, die Musik bei uns besonders gepflegt. Über 50 Vereine widmen sich ihr, darunter nicht nur die „klassischen“ Chöre und Musikvereine, sondern auch spezialisierte Gruppen wie das Zupfensemble „Cantabile“ in Heidelsheim oder der 2010 gegründete Jazzclub Bruchsal, um nur zwei von vielen zu nennen. Mit den „Tagen der Chor- und Orchestermusik“ und dem „Eurofestival Zupfmusik 2010“ waren auch schon nationale und internationale Großveranstaltungen bei uns zu Gast, darüber hinaus wird Bruchsal ab 2012 der Austragungsort des Deutschen Akkordeonpreises sein.

Alljährlich finden von Januar bis Dezember die verschiedensten Musikevents statt, sei es in Kirchen, im Bürgerzentrum, im Barockschloss oder auch unter freiem Himmel. Auch hier seien nur als Beispiele der „Bruchsaler Orgelherbst“, die „Tage der Schulmusik“ und das traditionelle open-air-Konzert auf dem Bruchsaler Flugplatz genannt. Und schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass das Bruchsaler Schloss das Deutsche Musikautomatenmuseum beherbergt. Weltweit gehört es zu den Größten seiner Art und alljährlich zieht es mit seinen außergewöhnlichen klingenden Exponaten zahlreiche große und kleine Besucher in seinen Bann.

Wer also in Sachen „Musik“ auf der Suche ist, wird in Bruchsal sicherlich fündig werden.

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